Die zwei Anforderungen im Widerspruch
Ein Fassadenputz soll Schlagregen abhalten und gleichzeitig Feuchte aus der Wand nach außen lassen. Diese beiden Eigenschaften stehen gegeneinander: Je dichter eine Beschichtung ist, desto besser hält sie Wasser ab und desto schlechter trocknet die Wand aus.
Deshalb gibt es nicht den einen besten Putz, sondern für jede Situation eine sinnvolle Balance. Wer das ignoriert und einfach das dichteste Produkt nimmt, bekommt bei Altbauten Feuchteschäden und Abplatzungen.
Nach Untergrund entscheiden
Auf einem Altbau mit historischem Kalkputz gehört ein mineralischer Aufbau. Kalk auf Kalk verträgt sich, die Wand bleibt dampfdurchlässig, und Salze können nach außen wandern, statt sich unter einer Sperrschicht zu sammeln.
Auf einem Neubau mit Kalk-Zement-Grundputz haben Sie freie Wahl. Silikatputz ist hier ein guter Kompromiss: mineralisch gebunden, dampfdurchlässig und farbstabil.
Auf einem Wärmedämmverbundsystem wird meist Silikonharzputz eingesetzt, weil er Wasser abweist und die Dämmung dahinter trocken hält. Bei Mineralwolle-Dämmung achten wir zusätzlich auf ausreichende Dampfdurchlässigkeit.
Nach Wetterseite entscheiden
Die Wetterseite ist in unserer Region West bis Südwest. Dort trifft Schlagregen am stärksten auf, und dort lohnt ein wasserabweisender Putz mit niedrigem Wasseraufnahmekoeffizienten.
Nord- und Nordostseiten bekommen weniger Regen, trocknen aber auch langsamer und neigen zu Algen und Moos. Hier sind hoch alkalische mineralische Putze im Vorteil, weil sie Bewuchs die Grundlage nehmen, ohne dass Biozide nötig sind.
Struktur und Korngröße
Die Korngröße bestimmt die Struktur und damit auch, wie viel Unebenheit die Fläche verzeiht. 2 mm ist der Standard: gut deckend, robust, nicht zu grob. 3 mm wirkt lebendiger und verzeiht mehr, 1 mm wirkt feiner, zeigt aber jede Welle im Untergrund.
Reibeputz entsteht, indem das Korn mit dem Kunststoffbrett gerieben wird und Rillen zieht. Kratzputz wird nach dem Anziehen abgekratzt und wirkt offener und tiefer, besonders an Altbauten. Filzputz ist die ruhigste Variante und braucht den ebensten Untergrund.
Was das über Algen sagt
Algen brauchen Feuchte, Nährstoffe und eine Oberfläche, an der sie haften. Man bekämpft sie also am besten bauphysikalisch: Dachüberstand nutzen, Spritzwasserzone sauber ausbilden, Bewuchs vor der Fassade zurückschneiden, Regenwasser gezielt wegführen.
Materialseitig helfen hohe Alkalität und schnelles Abtrocknen. Biozide in Fassadenfarben wirken einige Jahre und werden dann ausgewaschen – als Dauerlösung sind sie nicht geeignet.
